Stückepool 2008

 

 

Neue Heimat

Von Martin Baltscheit

Vier Personen, zwei junge Männer, eine junge Frau, ein älterer Mann treffen an einem merkwürdigen Ort zusammen und beschwören in gemeinsamer Erinnerung den Verlauf des Vorabends herauf, der sie alle schon einmal in einer Disco zusammengebracht hat.

Im Rekapitulieren ihrer teils individuellen, teils gemeinsamen Vorgeschichte kommt Streit auf. Erst nach und nach wird den Streitenden bewusst, dass sie alle vier aufgrund eines Autounfalls im Vorhof des Paradieses gelandet sich und sich nunmehr an einem Ort zwischen Leben und Tod befinden – von dem nur eine den Weg zurück ins Leben finden wird.

In heiterem und rasantem Spiel entfaltet Martin Baltscheit gekonnt die Widersprüche zwischen Jung und Alt, Männern und Frauen, Inländern und Ausländern. Mit einer einfachen paradoxen und deshalb dramatisch höchst wirksamen Situation gelingt es ihm, elementare Fragen des Lebens und des Zusammenlebens wachzurufen; Sinnsuche, Religion und Religionskritik in funkelnden Dialogen. Ein überzeugendes philosophisches Quartett, ein humorvolles Stück, das aktueller nicht sein könnte.

  

 

Am Horizont

von Petra Wüllenweber

In ihrem ungeheuer sympathischen Drei-Personen Stück „Am Horizont“ präsentiert Petra Wüllenweber eine Geschichte um Opa, Enkel Janek und dessen Freundin Anna. Im Mittelpunkt des Bühnengeschehens steht die persönliche Entwicklung Janeks, eines ehrgeizigen sportlichen Jungen, der seine Sorgen in Schule und Sport mit seinem Opa teilen kann. Doch eine radikale Veränderung ihrer Beziehung steht an, als Opa, mehr und mehr unter Alzheimer leidend, zunehmend psychisch verfällt. Janek muss sich schweren Herzens dieser Prüfung stellen und erwirbt sich - parallel dazu menschlich reifend - in Anna eine neue Freundin.

Warmherzig erzählt, sprachlich gekonnt und sehr liebevoll geschildert, legt Petra Wüllenweber eine Bühnengeschichte vor, die, so hart das Schicksal auch ankommt, einen trotzdem unbeschwerten Umgang der Generationen postuliert. Ein wahrlich bewegendes, anrührendes Theaterstück der Extraklasse.

 

 

Lilith – Paradise Loft

von Frank Hörner, Christian Schönfelder & JES Ensemble

Eine der vergnüglichsten Seiten des Theaters besteht darin, dass die Welt, ihre Bewohner und auch die der Welt zugehörigen Bestandteile, neu erfunden werden können. Dies gelingt  Frank Hörner und Christian Schönfelder auf geradezu vorbildliche Art und Weise. Starring: Lilith, Samuel, Adam & Eva. In ihrem Stück über die ersten uns durch die Bibel überlieferten Erdenbewohner überhaupt, zwei Männer und zwei Frauen, „Lilith –Paradise Loft“ siedeln sie die Erschaffung des Menschen und der ersten Geschlechterbeziehung in einem Loft an, der sich nach und nach auch mit Errungenschaften der Zivilisation anfüllen darf, so z.B. dem Rad, der Schubkarre und dem Bierkasten. (Als frühe Ausgeburt männlicher Phantasie. Lilith hat ja dafür Flügel!)

Wie der Titel schon nahe legt: In einer vergnüglichen Parodie auf alttestamentarische Überlieferungen zeigen Frank Hörner und Christian Schönfelder auf, dass von der ersten bis zur letzten Liebe des Lebens die grundlegenden Missverständnisse zwischen Mann und Frau unaufräumbar sind und immer wieder neu erfunden werden können. Und müssen. Im echten Leben wie auf der Theaterbühne. Viel Spaß dabei!

 

 

 Alptraum

von Peer Wittenbols

Een clown komt drie muntjes inleveren bij de bank en de juffrouw achter de balie ziet hem voor een overvaller aan.Vanuit dit idee heeft schrijver Peer Wittenbols de absurdistische komedie Alptraum geschreven. Een clown in het nauw, een geplaagde politieagent, een brede vrouw met kinderwens, een lieve domkop die niet luistert naar de naam Toutou, en de verslaggever die dit alles op een rijtje moet krijgen - allen in rep en roer tot deze ernstige misdaad is opgelost. Daarbij gaat de logica op zijn kop, de wereld op zijn kont en geldt de wet van de clown. Een absurde, gelaagde en vooral vrolijke tekst, waarin taal en handeling wel erg letterlijk genomen worden en de clowneske logica de personages en de lezer meenemen in een oneindige serie klassieke clowneske situaties en eigentijdse verwikkelingen. Peer Wittenbols (huisschrijver van Toneelgroep Oostpool) schreef Alptraum als jubileumvoorstelling voor regisseur Ted Keijser.

 

5 november Stedelijk Gymnasium 10.08 uur

von Eva Keuris

Een rechercheur ondervraagt Oscar over de bijzondere en fatale vriendschap tussen hem en zijn vriend Daniel. Oscar is de leidende figuur. Hij is populair, onaanraakbaar, nonchalant, gebruikt mensen als hij ze nodig heeft en doet ze weg als het hem verveelt. Daniel voelt zich emotioneel volledig afhankelijk van de superieure Oscar. Hij lijkt verliefd op hem, wil hem in alles volgen, maar verafschuwt tegelijkertijd zijn eigen zwakte en afhankelijkheid. Beide jongens voeden elkaars haat naar de wereld om hen heen en beramen een aanslag op hun school. Maar Daniel besluit, nadat Oscar hem diep heeft gekwetst, het alleen te doen. Resultaat: 10 gewonden en 3 doden, waaronder Daniel zelf. Schrijfster Eva Keuris geeft met deze tekst een fijnzinnige, intieme inkijk in de gevoelswereld van jonge mensen en de onderlinge machtsverhouding. Het verhaal wordt afwisselend verteld en gespeeld en springt vooruit en terug in de tijd. Een theatertekst voor jongeren waarin thema's als vriendschap, liefde, haat, afhankelijkheid en autonomie zeer zorgvuldig worden aangeraakt.

 

 

Himmelsstürmerin

von Katharina Schlender

 „So stell ich mir Leben nicht vor. Dieses zur Zeit, das ist nicht das Richtige...“ klagen beziehungslos aneinander vorbeilaufende Passanten. Simon will noch mal dahin zurück, wo alles begonnen hat – Romy braucht Zeit, um zu wissen, wie zu leben ist ; am Ende begegnen sich beide im Hier und Jetzt.

Der Text ist eine Versuchsanordnung, in die Bühnenerfahrung und dichterischer Impetus gleichermaßen eingehen. Vor dem Hintergrund sich verweigernder Eltern und ratloser Zeitgenossen suchen und finden die beiden jugendlichen Protagonisten ihren Weg zu sich selbst und konfrontieren dabei ganz nebenbei die Zuschauer mit existentiellen Fragen unserer Zeit.

 

 

Südseekeller

von Jule Ronstedt

Imagepflege via Traumurlaub: „Wir fliegen in die Südsee!“, ist die Botschaft, die man in Familie, Nachbarschaft und Freundeskreis staunend empfangen hat. In die Ferien fahren – das gehört doch heutzutage zum Leben. Aber die Reisekasse ist leer, weil Vater auf eine schlecht bezahlte Stelle wechseln musste. Und so verbarrikadiert  das entwertete Familienoberhaupt seine fassungslose Frau samt pubertierender Tochter im Keller ihres Mietshauses und zwingt  sie, von dort einen Scheinurlaub zu organisieren.

Diese äußerst vergnügliche Komödie könnte zum puren Boulevardtheater verkommen, wenn sie nicht auf einer wahren Geschichte basieren würde! So macht sie jedoch aus der Absurdität einer gesellschaftlichen Situation ein aberwitziges Planspiel, welches trotz leichter Umsetzung ein Tabu aufdeckt, welches für viele Kinder und Jugendliche bedrückende Wirklichkeit ist: sich die vorgegaukelte Konsumseligkeit nicht leisten zu können.