Skills  

von Eva Rottmann

   

Tim, Tom, Decker und Melek sind die „coolsten Jungs der Stadt“, ja, Melek auch, obwohl sie ein Mädchen ist! Und was die Gruppe auf Leben und Tod zusammenschweißt, ist die Leidenschaft fürs Skaten. „Skills“, zu Deutsch: Fertigkeiten, Fähigkeiten, meint denn hier auch vordergründig die hohen Künste auf dem Skateboard, das Beherrschen der mannigfachen Flips und Tricks, die sachkundig in die Handlung eingebaut sind und die wahrscheinlich auch etwas mit Toms Tod zu tun haben, man weiß es nicht so genau. Im Rückblick versucht die Clique dieses tragische Ereignis zu verarbeiten und die gemeinsamen letzten Erlebnisse nachzuzeichnen.

Die „Skills“ der Autorin  bestehen eindeutig in der hohen Kompetenz, mit der das Thema „Jugend“ und die hier gewählte Szene verhandelt werden: genaueste Kenntnis der sportlichen Regeln und Rituale; glaubwürdige Verwendung der Sprache, die „den Schauspielern gut im Mund liegen sollte“; Wissen auch und vor allem um das Lebensgefühl ihrer Figuren, deren schmerzhaft fühlbaren Sehnsüchte nach Freundschaft, Liebe und Anerkennung, nach Zukunft und dem Unbegreiflichen hinter dem Alltag.

Ein zu Herzen gehendes Plädoyer für junge Menschen und für die Wahrnehmung ihrer beeindruckenden Fähigkeiten.

 

 

 

Die besseren Wälder (14+)

von Martin Baltscheit

   

Martin Baltscheits Stück „Die besseren Wälder“ ist ein modernes Märchen um die aktuellen Fragen nach kultureller Identität: Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Auf originelle Weise – mutig und in dieser Form für die betroffene Zielgruppe selten – kommt es im Fabelgewand daher: Der Wolf Ferdinand wird von Schafen großgezogen und versucht, seine Natur zu verleugnen, was ihm erstaunlicherweise so lange gelingt, wie er nicht von außen mit Gewalt gezwungen wird, die in ihm schlummernden Möglichkeiten zu mobilisieren.

Ganz nebenbei werden liebevolle Eltern, sich aufopfernde Freunde und Weggefährten sowie Schurken und Verräter der eigenen Herkunft in vielerlei Tiergattungen vorgeführt, so dass zur Bildung von Vorurteilen keine Chance besteht. Fazit dieser gelungenen und für die Bühne sehr reizvollen Geschichte: „Es kommt nicht darauf an, wo du herkommst, sondern darauf, wo du hingehst und mit wem!“

 

   

Sonjas Entscheidung (13+)

von Lorenz Hippe

   

Ein sozialer Brennpunkt, eine chancenlose Hauptschulklasse, ein unüberlegter one-night-stand einer 15-Jährigen mit einem 17-Jährigen, eine ungewollte Schwangerschaft. Kein RTL-Stoff, sondern eine reale existentielle Konfliktsituation, in der sich die Betroffenen Schritt für Schritt durch die damit verbundenen Lebensfragen kämpfen müssen.

Sonjas Entscheidung ist laut Vorbemerkung „ein interaktives Stück mit 20 Variationsmöglichkeiten und fünf unterschiedlichen Ausgängen. Entstanden als Klassenzimmerstück mit Schwerpunkt im Haupt- und Realschulbereich aus Interviews mit Jugendlichen und Erwachsenen.“ Und es bliebe ein anspruchsvolles sozialpädagogisches Projekt, wenn es Lorenz Hippe nicht gelungen wäre, aus diesem authentischen Material ein sprachlich überzeugendes und inhaltlich anrührendes Bild heutigen Lebens entstehen zu lassen, das die Zuschauer den jugendlichen Protagonisten auch in Wirklichkeit ein Stück näher bringt.

 

   

Het Takkenkind (6+)

 

von Gerda Dendooven

   

Eine schöne, leicht absurde Geschichte über eine Frau, die so schnell wie möglich ein Kind will. Ihr Mann versucht eines zu finden und kommt letztendlich nach Hause - mit einen Baumstrunk! Er ist total überrascht, als seine Frau diesen Holzklotz wirklich als ihr Kind annimmt. „Einmal gegeben, bleibt gegeben“ überlegt sie, und sie lässt sich das Mitbringsel auch nicht mehr wegnehmen. Als der Mann es verbrennen will, erfährt er, dass es tatsächlich Leben in sich hat.

Der Gegenstand des Stückes erscheint wie ein Märchen aus ferner Zeit, wird jedoch modern und humorvoll verhandelt und hat eine sehr originelle Sprache.

 

Wuste Hohen, restlose Seelen (13+)

von Jeroen Olyslagers 

   

Eine Bearbeitung des Romans „Wuthering Heights“ von Emily Bronté. „Wuste Hohen, restlose Seelen“ ist ein romantischer und fesselnder Text. Er erfordert viel Raum und Ruhe vom Leser - verdient dies aber auch.

Die Geschichte wird erzählt von Haushälterin Nelly, welche die Familie ganz aus der Nähe beobachtet und die Zeit verstreichen sieht. Die Personen sind deutlich fühlbar und tragen eine Art von unausgesprochenem Geheimnis mit sich.

Die Geschichte stellt eine Konstruktion dar, mit der große Themen wie Liebe, Lust, Sehnsucht und Eifersucht einhergehen.

   

 

Auf der Birnbaumwiese   

von Gert Loschütz

   

In einer Fantasielandschaft, der Birnbaumwiese, entfaltet sich unter den feengleichen Hüterinnen dieser kleinen Welt, Heta, Luzi und Vera, ein entzückendes Durcheinander aus Mensch und Tier; und als unerwartete Gäste eintreffen, Vladimir und Hans, zwei Reiter, die Rast im Paradiesgarten einlegen, sorgt dies für einen Aufruhr im Traumland.

Was an der sympathischen und eher undramatischen Erzählung „Auf der Birnbaumwiese“ von Gert Loschütz unmittelbar überzeugt, ist vor allem die Sprachmacht. Hier haben wir es mit einem Stück zu tun, in dem der Autor alle Register eines den Klassikern und den Romantikern der deutschen Dichtung entlehnten poetischen Repertoires anführt.

Der Bilderreichtum, der Sprachspielereien und einem Füllhorn an assoziativen Wörterhäufungen entspringt, lässt eine völlig eigene, liebliche und chaotische Welt entstehen. Mit ihrer Fülle von Sprachideen eignet sich die Bühnenvorlage für alle Inszenierungen, die sich in der Kunst traditioneller deutscher Poesie beweisen können. Ein großes pflanzliches, tierisches und menschliches Vergnügen.

   

 

Promille Ambulanz   

von Jens Hasselmann  

 

Mit dem Stück „Promille Ambulanz“, Untertitel die „Alco PopShow“, legt Jens Hasselmann ein gepfeffertes, schwarz-humoriges Stück vor. Das sich nichtsdestoweniger einem ernsten und nicht nur zeitgenössischen Problem widmet: dem Suff- und dem Saufverhalten der Leute.

Der theatralen Tradition der Groteske und der schwarzen Komödie verhaftet, skizziert das Stück das Schicksal des Komapatienten Kai Pirinja, den es in die Notaufnahme verschlagen hat. Wo schon – was Wunder – Gevatter Tod und ein völlig durchgedrehtes Team an Ärzten und Instrumenten auf ihn warten. Es beginnt ein fröhlicher Kampf um das Leben des Patienten.

Mit musikalischen Einlagen, bösen Dialogen und drastisch überzeichneten Ärzte-Cliches entfaltet sich eine Persiflage auf die ewigen Warnungen der staatlichen Gesundheitsbehörden vor dem Suff und seinen Folgen, eine Persiflage auch auf sattsam bekannte Krankenhausserien.

Der durchgängig schwarze Humor des Stückes und die arg überzogenen völlig sinnfreien, immer auf Alkohol bezogenen Kalauer treffen in Mark und Bein: ein Bühnenspaß, der gerade dann am meisten zum Nachdenken zwingt, wenn einem das Lachen wieder mal im Halse stecken zu bleiben droht.

Nachsatz: Für alle Fans von Monthy Python, Notfallambulanzen und Dr. House ein absolutes Lese-Muss. Auf die Bühne damit!

   

 

Orde van de dag  

von Alexander Peterhans  

 

„Tagesordnung“ von Alexander Peterhans spielt nach dem Weltuntergang. Fünf füreinander bestimmte Pärchen ( Adam und Eva 1-5 ) leben unterirdisch und bereiten die Gründung der neuen Weltordnung vor. Wenn sich aber nun ein Adam in die nicht für ihn bestimmte Eva verliebt, gerät alles durcheinander. Sie müssen in der für sie bestimmten Konstellation den Untergrund verlassen, denn sonst ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.

Ein sehr gradliniger poetischer Text mit vielen unterschiedlichen Ebenen. Ursprünglich ist „Tagesordnung“ für Jugendliche geschrieben, aber auch für ein erwachsenes Publikum spielbar.