Stückepool

 

 

Die Belagerung

von Martin Baltscheidt

 

Martin Ballscheid hat sein Stück „Die Belagerung“ in Sibirien, im Russland der zwanziger Jahre angesiedelt. In einem sehr harten Winter geraten die Bewohner einer durch das harte Winterwetter isolierten Ortschaft unter Druck: hungrige Wölfe greifen an.

Mit großer Sprachmacht und einer sehr schlüssigen Dramturgie erzählt Martin Ballscheid eine für das Theater deswegen sehr ungewöhnliche Geschichte, weil natürlich die verlorene Ortschaft in der Weite des Landes sowie das – folgt man seiner Erzählung – unbedingt notwendige Vorhandensein von Wölfen auf der Bühne eine in höchstem Maß einfallsreiche Inszenierung verlangt.

Klar ist das Stück in seinem emotionalen Gehalt: es geht um Angst. Angst in einer Situation existenzieller Bedrohtheit. Es geht um eine gruselige, innere Kälte. Sehr verrätselt allerdings und verschlossen gegenüber einfachen Deutungsmustern bleibt die Geschichte von Anfang bis Ende: das übt einen weiteren, für das Theater bedeutenden Reiz aus und stellt weitere weitere Herausforderung an jede kommende Inszenierung dar.

Wagemutige Regisseure können

 

 

 

HET WOESTIJNHUIS 

von Anouk Smit

 

Das Wüstenhaus ist ein faszinierender Text einer unserer Meinung nach vielversprechenden (jungen?) niederländischen Theaterautorin.

Obwohl einige brennende Fragen, die er aufwirft, zunächst noch unbeantwortet bleiben, muss der Text trotz allem alles hochrangig betrachtet werden.

Denn er zeigt von seinem Ausgagnspunkt an etwas Unangepaßtes, auch in seiner Schilderung menschlichen Überlebens und Überlebenswillens, in seiner Darstellung zwischenmenschlicher Verhältnisse. Er kommt konsequent in seinem Stil daher, glänzt mit sehr gut geschriebenen Dialogen und vor allem mit der Beschreibung einer rauhen, kantigen Atmosphäre.

Vier Söhne und ihre sture Mutter in der Wüste. Aufbegehrende (?) Jungen, die es fort in die Welt drängt. Weil Söhne früher oder später ausfliegen müssen. Ihrer Bedürfnisse wegen, die zu Hause unbefriedigt bleiben. An diesem Tatbestand ist nicht zu rütteln, es bleibt nur eine Wahl zu treffen. Manche Dinge müssen passsieren – im Guten oder im Schlechten. Und das berührt.

 

 

Ein faszinierender Text von einer, unserer Meinung nach, vielversprechender neue,niederländische junge(?) Theaterauthorin.

Obwohl ein Paar brennende Fragen jetzt vielleicht noch unbeantwortet bleiben im Text, kam dieses Stück doch jedesmal wieder obentreiben.

Es hat was unangepastes; im Startpunkt (? uitgangspunt), in der Situation von Überlebers, in den menschlichen Verhältnissen. Konsequent in Stil, sehr gut geschrieben Dialogen und eine rohe, eckige Atmosphär.

Vier Söhne und ihre stoere (sturre?) Mutter in die Wüsten. Broeierige (?) Jungs die weg müssen. Weil Söhne früher oder später nun mal ausfliegen. Wegen Bedürfnisse die zu Hause nicht befriedigt werden können. Und darin (?was das angeht) gibt es wenig zu wählen: manche Sachen müssen einfach passieren, nett oder nicht. Und das berührt.

 

 

Een fascinerende tekst van een naar onze mening veelbelovende nieuwe Nederlandse jonge? toneelauteur. Hoewel een paar brandende vragen nu misschien nog onbeantwoord blijven in de tekst, maar bleef dit stuk toch telkens weer bovendrijven.

Het heeft iets onaangepasts; in het uitgangspunt, in de situatie van overlevers, in de menselijke verhoudingen. Consequent van stijl, zeer goed geschreven dialogen en een ruige, hoekige sfeer.

Vier zoons en hun stoere moeder in de woestijn. Broeierige jongens die weg moeten. Omdat zoons vroeger of later nou eenmaal uit vliegen. Vanwege behoeftes die thuis niet bevredigd kunnen worden. En daarin valt weinig of niets te kiezen: sommige dingen moeten gewoon gebeuren, leuk of niet leuk. En dat raakt.

 

 

  

Verdeckter Aufschlag

von Taki Papaconstantinou

 

 

„Verdeckter Aufschlag“ von NN, eingereicht als „vorläufiges Manuskript in Fragmenten“ in einer Fassung vom 13.11.2005 bringt, allem Fragmentarischen zum Trotz, alles mit, das eine veritable Stückvorlage für das Theater braucht.

 Böse. Bissig. Ein boulevardesker Ausriß aus der Wirklichkeit. Ein der Mittelschicht zuzurechnendes, desillusioniertes Paar, die erwachsene, auf Stellensuche sich befindende Tochter, ihr Tennistrainer. Dies genügt als Personal einer theatralen Montage aus Interviews, Monologen und Spielszenen; in der die Alltagstristesse und die Krisen der sogenannten Freizeitgesellschaft sich erzählen und erspielt werden.

 Ein Theaterstück das Jugendliche ernst nimmt, in denen ihnen etwas zugemutet wird. In dem die Zumutung darin besteht, die Probleme nicht kleiner zu machen als sie sind, das Leben nicht schöner zu färben, als es ist. Ein Stück, das darauf besteht, dass Problemlösungen nicht immer leicht zu erhalten sind, Kraft und Anstrengungen erfordert.

 Ein Stück über die Niederträchtigkeit des menschlichen Umganges, die Widerlichkeiten des beruflichen und familialen Alltags, über die Schwierigkeit, sich in der modernen Freizeitgesellschaft mitsamt ihren ekelerregenden Auswüchsen an Konkurrenz und wechselseitiger Niedermache einen Platz zu verschaffen und einen Rest an Würde zu bewahren. Hart und ungerecht wie das Leben selbst. Gleichzeitig aber auch ein Stück über menschliche Leidensfähigkeit und alltäglichen Durchhaltewillen, über die Fähigkeit, sich nicht unterkriegen zu lassen.

 Ist es nicht das, was junge Leute am meisten brauchen?

 

 www.theaterstueckverlag.de

 

King A

von Ineź Derksen

 

Ein packender Theatertext, der ein wunderbares Angebot liefert für lebendiges, witziges und zugleich tiefgehendes Theater. Der integrierte Übergang der „privaten“ Schauspieler in die Figuren der Artusrunde nimmt den Leser/Zuschauer auf diesem Weg mit auf die Suche nach dem ewigen Rittertum und seinen Werten. Es geht um Liebe, Treue, Gerechtigkeit, Mut, das Spiel mit der Macht und dem Schwert.

Diese immer wiederkehrenden Themen der Menschheit verdichten sich in „King A“ allerdings zur Parabel über die Möglichkeiten einer gerechten Gesellschaft. Die Artusrunde gestaltet die „gute“ Gesellschaft auf der Grundlage ritterlicher Werte und Regeln.

Als dieser Versuch von innen heraus scheitert, kommt es zum freiwilligen Abbruch mit der Offenheit für das Neue. Es gibt keine ewigen Werte und Regeln und dennoch ist die Suche nach ihnen die immer neue Aufgabe.

Der Text ist sehr einfach geschrieben, ohne aber an der Oberfläche zu bleiben. Er fordert eine sehr vitale, flexible und einfühlsame Spielweise und – die Theaterleute werden sich freuen – der Text ermöglicht ein Schauspiel mit wunderbaren Effekten ohne effektheischend zu sein. Und: die Schauspieler werden alle „Register“ ziehen dürfen. Das Stück muss gespielt werden, weil es intensiv, politisch, poetisch ist und:  Lust auf Theater wecken wird.

 

 

 

Nog even nog even nog

von Bouke Oldenhof

 

Mit Hilfe einer Metapher über ein Baby,  das nicht in die Welt zu kommen wagt, erzählt Nog even nog even nog Szenen über die Angst, Sicherheiten aufzugebenlos zu lassen und darüber, wie man den Mut findet, den Schritt ins Unbekannte zu wagen.

Humorvolle Dialoge des erwartungsvollen Elternpaares, des Königs und der Königin, sowie ihrer Entourage aus  Arzt und Hebamme wechseln sich ab mit liebevolle Dialogen, die sich zwischen dem ungeborenen PrinZen und seinem Freund, dem Mond, enfalten. Das Stück wendet sich an Kinder ab 5 Jahren.

 

 

 

 

Blick durchs Fenster:

von Volker Schmidt

 

Auf den Flucht vor ihrem gewalttätigen Vater brechen die 15 jährige Suse und ihre geistig behinderter Bruder in die Wohnung einer 67jährigen Nachbarin ein. Blick durchs Fenster ist ein spannend Stück mit unerwartete Wendungen. In schnelle Dialogen wird auf subtile Weise wahrhafte und unwahrafte Höflichkeit voneinander unterschieden und außerdem der so wichtige Umgang mit den Regeln des Zusammenlebens vielseitig ausgearbeit.

 

 

 

ORUK

von Sophie Kassies

 

Auf sehr saftige und sinnliche Art und Weise  wird in diesem Stück einem alten Inuit Märchen neues Leben eingehaucht. Der Jungen Oruk entdeckt ein großes Geheimnis in Bezug auf seinen Vater, seine Mutter und sich selbst. Oruk erscheint das Wunschkind einer unmöglichen, aber leidenschaftlichen Liebe zwischen einen rohen, einsamen Mann und einer wunderschönen  Seehundfrau zu sein.

Die Autorin Sophie Kassies hat das Märchen bearbeitet und daraus eine  gut komponierte,  musikalische Theatererzählung, mit viel Raum für Spiel, Kommentar und schönen Liedtexten geschaffen: Über Liebe und Loslassen.

 Op zeer smakelijke en zinnelijke wijze wordt in dit stuk een oud eskimosprookje nieuw leven ingeblazen. De jongen Oroek ontdekt een groot geheim over zijn vader, zijn moeder en zichzelf. Oroek blijkt het zeer gewenste‘produkt’/resultaat van een onmogelijke, maar hartstochtelijke liefde tussen een stugge, eenzame man en een prachtige volle zeehondenvrouw.

Dit gegeven in handen van auteur Sophie Kassies levert een malse, goed gecomponeerde muzikale theatervertelling op, met veel ruimte voor spel, commentaar, compleet met mooie liedteksten. Over liefde en loslaten.