Preisverleihung beim
4. Deutsch-Niederländischen Autorenpreis

 

Die in diesem Stückepool vorgestellten Texte sind eine Auswahl, welche die 4- köpfige Jury des Niederländisch - Deutschen Jugenddramatikerwettbewerbes 2002 unter  68 eingereichten niederländischen und deutschen Texten getroffen hat. Darunter sind auch die 2 Preisträger.

Die Jury :  Eva Pieper, Dramaturgin aus Amsterdam; Ralph Förg, Leiter des Filmhauses Frankfurt; Silvia Andringa, Leiterin des Theaters Het Laagland; Uwe Frisch, Theatermacher aus Duisburg.

Der Stückepool möchte die Texte und ihre Autoren bei Theatern und Verlagen bekannt machen und für ihre vermehrte Aufführung bzw. ihre Veröffentlichung werben, solange sie noch keinen Verleger gefunden haben.

Bei Interesse vermitteln wir Kontakte zu den Autoren bzw. den Verlagen, die sie vertreten.

Volker Koopmans,   Festivalleiter

 

1. Preis

ab 8 Jahre

„Katharina Katharina in het Ganzenbord“ / „Katharina Katharina im Gänseleiterspiel“

Heleen Verburg

für großes Ensemble

niederländisch,  Deutsche Übersetzung geplant

Rechte : bei der Autorin

UA : Artemis Theater; s´Hertogenbosch

DE: frei

Katharina Katharina ist ein phänomenales Stück über ein Mädchen das alles haben und alles gewinnen möchte im Leben. Sie muß damit zurechtkommen, das die Mutter die Familie verlassen hat und leben mit einem immer etwas müden Vater. Und nie will einer mit ihr das Gänseleiterspiel spielen. Nach einem Wutanfall, bei dem sie sich den Kopf stößt,  landet sie im Gänseleiterspiel. Wie ein Setzstein bewegt sie sich in dem Spiel das ihren Lebenslauf bis zum Tode darstellt. Die Regeln sind stärker als ihr störrischer Zorn und doch will sie unbedingt gewinnen.

Katharina Katharina ist eine grossartige Herausforderung für jeden Schauspieler und Regisseur, mit Spielfreude überraschendes, hinreissendes Totaltheater zu machen.

Die beeindruckenden Szenen sind kurz und folgen schnell aufeinander. Die Sprache ist prägnant und klar, die Situationen haben Witz, sind packend und bewegend, manchmal alltäglich, dann wieder poetisch und sinnlich. Die Figuren und Handlungen im Gänseleiterspiel sind grotesk bis ins Absurde, aber nie ohne tieferen Sinn und dramatische Spannung

 

 

2. Preis

Frag nicht, Julchen  /  Daniell Call

UA : Volkstheater Rostock

Übersetzung ins Niederländische geplant.

Rechte: Verlag Felix Bloch Erben

Mit „Frag nicht, Julchen!“ ist dem Autor ein poetisches Stück über das Leben und den Tod in seinem ganzheitlichen Kreislauf gelungen. Authentisch ist das Anliegen, ernst genommen der Adressat.

Mit einer wunderschönen, sehr sensiblen Sprache, die um die Bedeutung der Worte weiß, entwickelt sich in einer für das Kinder- und Jugendtheater ungewohnten Stille liebevoll, schmerzlich, zart und tröstend die Handlung. Die Gedanken des Kindes sind logisch, traurig und witzig zugleich. Das Stück offenbart hierin bei aller Schwere des Themas Humor und somit den Schlüssel zum Geheimnis einer möglichen Inszenierung: Nicht bedrückend, sondern wohltuend sollte sie sein.

 

ab 14 Jahre,

„VUUR“

von Roel Adam

für großes Ensemble

UA: Huis aan de Amstel, Amsterdam, 2001

DE : Frei

Dieses Stück ist eine Auftragsarbeit für Huis aan de Amstel und kam letzten Sommer als ein Theater- und Musikabenteuer im Fort von IJmuiden zur Aufführung. Es war eine sehr aufwendige Produktion, die jedoch sicher auch auf eine herkömmliche Bühne zu übertragen ist.

Das Stück besteht aus vier Teilen, die nicht losgelöst von einander zu spielen sind.

Es geht darin um den uralten Streit, nämlich über den Sinn der menschlichen Freiheit, zwischen den Brüdern Prometheus und Epimetheus. Beide versuchen ihren Standpunkt zu beweisen, und setzten dabei zwei junge Menschen ein, die sie als ihre Schützlinge und Vertreter ihrer Ideen betrachten: den rebellischen und unangepassten Jimmy und das behutsame Fleischermädchen Maantje.

Der Prolog fungiert als spannende Einleitung, wobei Götter und Menschen sowohl in Sprache als Handlung im Zentrum ihrer Kraft gezeigt werden. In Teil zwei und drei folgen wir Jimmy und Maantje. Im Epilog kommt es in witzigen, reizvollen Szenen, unter anderem auf dem Olymp, zu einer Annäherung und Versöhnung.

 

ab 15 Jahren

„PLANEET ALLES“/ „ALLES“

von Esther Gerritsen

2D, 2H

UA : Het Syndicaat, Amsterdam

DE : Frei

Rechte : Autorin

Im letzten Jahr gewann Esther den Preis der Jury für ihr Stück Gras. Auch bei Alles handelt es sich wieder um eine Auftragsarbeit für das Syndicaat, eine Gruppe die ausschliesslich Vorstellungen für Jugendliche spielt.

Esther hat ein interessantes Thema aufgegriffen: Drei Wesen vom Planet Alles, die dort ein blaues Dreieck, ein rotes Viereck und ein grüner Rhombus sind, kommen auf die Erde, um hier nach Ersatzteilen zu suchen. Denn auf ihrem Planet ist alles ein Unikat und bei Verlust oder Schaden nicht reparabel. Sie haben für ihre Expedition menschliche Formen angenommen und sich in die menschliche Psyche, die Sitten und gebräuchlichen Floskeln vertieft. Denn natürlich treffen sie einen echten Menschen, der ihnen helfen wird und soll. Auf eine intelligente, oft peinlich-witzige Art werden unsere Mechanismen und indirekten, oft leeren Verhaltensweisen im Umgang mit einander und der Drang, Rangordnungen zu schaffen, blossgelegt.

Die Dialoge sind sehr dicht. Das Stück ist sprachlich flott, manchmal bissig, dann wieder filosofierend.

 

ab 3 Jahre

Pulli Pulli“ 

von Karin Eppler und Anne Kathrin Klatt

UA: Theater im Zentrum, Stuttgart

Rechte :

In einem bestrickenden Handlungsablauf begegnet ein noch sehr unerfahrenes Kleidungsstück, das nicht von sich selbst und der Welt weiss, einigen Artgenossen. In diesem amüsant geschilderten Begenungen gelingt es unserem wolligen Wesen, mehr zu erfahren : über sich selbst und den Lauf der dinge. Liebevoll erfährt das wesen Bestätigung darüber, wer es eigentlich ist. Ein existenzielles Problem mit leichter Hand und einfach geschildert, heiter und humorvoll erzählt.

 

„Die Flucht  oder  was ist das – Schenkel“

von Andreas Jungwirt

UA : Puppentheater des Theaters Junge Generation

Geschickt konstruiert der Autor Episode um Episode um die Flucht des Sexualverbrechers Frank Schmökel : Polizisten, Fernsehteams, Politik und  seine Familie geben auskunft um den Flüchtigen und konstruieren ein Bild des Gejagten nach ihren jeweiligen Vorstellungen .

Der Kriminelle wird darüber Projektionsfläche vieler -  kommt uns das nicht bekannt vor ? Wir dürfen die Perversität der Gesellschaft erleben, die einer einzigen perversen Persönlichkeit alles an Perversionen auferlegt und sie zwingt, diese im Auftrag auszuleben – unter dem Deckmantel des Gutmenschen versteht sich.

Lachen und Erschrecken liegen nahe beieinander. Die Wahrheit ist ein entsetzliches Vergnügen.

 

Jugendliche

„Zu dünn, zu reich

von Bettina Ballaka

UA: Theater Next Liberty, Graz

DE :

Eine schwarze Komödie zum thema Eßstörungen. Ein modernes Kammerspiel, dramaturgisch geschickt verrückt durch das einschmuggeln einer Kunstfigur in die Handlung, fesselt und amüsiert das Stück bis zum bösen Ende.

Krankheit als individuelles Schicksal und pathologisches Familiendaseinverschmelzen mit den Wahnvorstellungen, die eine Gesellschaft über makellose und perfekte Körperlichkeiten pflegt.

wie die ästhetischen Vorgaben der modernen Lebenswelt in die familiäre Lebenswelt eindringt und deren Mitglieder verstümmelt, zeigt sich in der vorliegenden radikalen und witzigen Arbeit.

  

Förderpreis : Paul Maar Stipendium des Kinder – und Jugendtheaterzentrums der BRD

Der Weibling 

von Uwe Seidel

 

Ein Familiendrama über Kindheit und Jugend einer historischen Figur, des Kronprinzen Friedrich nämlich, dem späteren Friedrich der Große. In der Form des klassischen Kammerspiels wird  anhand historischer Figuren ein Spiel angezettelt, das den Generationenkonflikt zwischen Vater und Sohn in drastischer weise eskalieren lässt. Ein klar  zu beachtendes Musterbeispiel über die Grausamkeiten schwarzer Pädagogik. Und als Nebenthema angelegt : leise und fast beiläufig gelingt es dem Autor, das Leiden des Königs an der Unterdrückung homosexueller Liebe darzustellen. Ein zeitloser Theatertext, der sich immer wieder neuen Deutungen sperrt