Preisverleihung beim
3. Deutsch-Niederländischen Autorenpreis

 

Im Rahmen des Festivals „Kaas&Kappes“ wurde am Sonntag, dem 01.07.01 der 3. Deutsch-Niederländischen Autorenpreis in Duisburg im KOM´MA-Theater verliehen.

Der Preis ist mit 18.000 DM dotiert und wird von der Euregio Rhein-Waal gestiftet.

 Der Preis wurde dieses Jahr gleichberechtigt an die Autoren der folgenden drei Stücke verliehen:

 Für das Stück „De dag dat mijn broer niet thuis kwam
wird dem Autor Roel Adam (Huis aan de Amstel, Amsterdam) von der Jury des Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreises ein Preis im Werte von DM 6.000 zuerkannt.

 

Begründung:

Am Beispiel einer palästinensischen Familie in Israel, die zum 11. Mal des Todes des jüngsten Bruders gedenkt, wird aufgezeigt, wie sich heftige Konflikte zwischen zwei Bevölkerungsgruppen auf das tägliche Leben und die Psyche auswirken. Gleichzeitig läßt das Stück sehen, dass das Leben in Unterdrückung spannend sein kann, dass es auch da Liebe, Humor und Leichtigkeit gibt. Reflektierend und in flashbacks wird von dem ganz normalen Miteinander zwischen Brüdern und Schwestern erzählt. Von Anfang an ist auch der tote Bruder als Mitspieler auf der Bühne, wodurch sich ein lebendiger Umgang mit dem Tod ergibt.

Auffällig an der Struktur des Stückes ist, dass es seine thematischen Leitlinien nicht verlässt, obwohl es sich zeitlich und örtlich nicht chronologisch orientiert.

De dag dat m’n broer niet thuis kwam entstand nach Gesprächen des Ensembles vom Huis aan de Amstel  mit palästinensischen Kindern in Israel. Das Stück hat zeitlose politische Relevanz und wurde eingeholt durch die Realität. Es geht aber über die spezifische Situation hinaus und verarbeitet dringende und notwendige Themen, die in vielen Aspekten allgemeingültig sind.

  

Für das Stück „Rover, dronkeman“ wird dem Autor Bart Moeyart von der Jury des Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreises ein Preis im Werte von DM 6.000 zuerkannt.

 

Begründung:

Rover, dronkeman is een theatraal gedicht of, zo u wilt, een poetisch theaterstuk. Over het hunkeren van het kind Ondine in een wereld die bepaald wordt door de volwassenen om haar heen. In opdracht van Theater Luxemburg schreef Bart Moeyaert deze uitdaging voor regisseur en acteurs.

Het stuk ontrekt zich aan dramaturgische wetten en schept een unieke nieuwe wereld over een onderwerp dat wij allen (her)kennen. `Ondine, kun jij fluiten, en diefje met verlos? En ken jij ook de rovers, de rovers in het bos?'

 

 

Für das Stück „Verhüten & Verfärben“ wird der Autorin Lilly Axster von der Jury des Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreises ein Preis im Werte von DM 6.000 zuerkannt.

 Begründung:

Von Liebe ist viel die Rede. Doch nur eine blitzgescheite, sprachmächtige Autorin vom Formate Lilly Axsters vermag es, den Beschädigungen zarter Neigungen oder auch heftiger Regungen auf die Spur zu kommen – konfliktuösem Liebesleben Namen, Stimme und Anschaulichkeit zu schenken.

Für Ihr sehr engagiertes Stück über Sehnsüchte, Geschlechtlichkeit und Verlangen findet L.A. die Charaktere wie die dramatische Form, die aufdeckt, wie gesellschaftliche Zwänge der Moderne sich in die intimsten zwischenmenschlichen Situationen hinein entfalten und auswirken. Die Allgegenwart kontemporär moralischer Vorstellungen beeinträchtigen das Leben – nicht nur das der Protagonisten des Werkes.

„Verhüten und Verfärben“ ist ein Stück mit Herz und Biß, geschrieben für ein Publikum, das des Zeugnisses seiner Leidenschaften und seines Schmerzes bedarf. Ein notwendiges Stück, das sich einbrennt ins Gewissen einer Gesellschaft, die in Gleichgültigkeit oder offener Sentimentalität über diese Leiden hinwegspielt.

Dem Stück wäre zu wünschen, viele Theater zu finden, die sich der Herausforderung annehmen, diesem vielschichtigen Stoff und dem Humor des Stückes in einer Inszenierung gewachsen zu sein

 

 

Weiterhin wurde im Rahmen dieses Autorenwettbewerbs von der Jury das vom Kinder- und Jugendtheaterzentrum initiierte Paul-Maar Stipendium vergeben. Diesen Preis erhält Karin Eppler für das Stück „Das Kofferkind“.

Der Klasse 9a der Cominius-Schule in Duisburg, die es „gewagt haben“ mit ihren Stücken „Liebe? Freundschaft? Durcheinander!!“ und „Aus und vorbei“ gegen die namhaften Autoren im Wettbewerb anzutreten, wird von der Jury ein Sonderpreis in Höhe DM 300.- zugesprochen.

 

 

 

STÜCKEPOOL

 

Hans van den Boom              Bianca en de jager ab 10 Jahren (3D/2H)

Uitgeverij IT&FB, Amsterdam (NL)

Eigenwillige Bearbeitung von Schneewittchen mit ungewöhnlichen und schönen Bildsprachschöpfungen; erzählt vom Heranreifen des Tienermädchens Bianca, das sich nicht in die Welt der Erwachsenen einordenen will und das sich selbst hässlich findet, zur Frau

 

 

Heleen Verburg                    Gluurhuis ab 6 Jahren (2H und eine weibliche Stimme),

Verlag der Autoren, Frankfurt (D)

Spannend wird erzählt, wie zwei Männer, die seit Jahr und Tag in einer Fabrik arbeiten ohne zu wissen, was und für wen; es stellt sich heraus, dass sie Teil einer Maschinerie im Körper einer Frau sind. Schönes, sprachwitziges, absurdes Stück über den Sinn des Lebens

 

Kees van Loenen / Mariëlle van Sauers    Meisjes van Aboke  ab 12 Jahren (2D, 1H)

Het Waterhuis, Rotterdam (NL)

Bearbeitung des gleichnamigen Buches von Els de Temmerman

Ein bewegendes Stück, das vom uns eigentlich unbekannten Leben und Schicksal der Kinder in Uganda erzählt, die als Kindsoldaten, oder als Geiseln oder aber Gebrauchsgegestand viel zu früh ihre Kindheit und eine Zukunft verlieren. Es ist den Autoren durch Sprache und Rhytmus gelungen, uns in unterschiedliche Spären mitzunehmen und uns betroffen zu machen.

 

Paul Pourveur und                 Lilith@online ab 12/3 Jahren (3D, 2H)

Speeltheater Gent (B)

Das Stück verknüpft zwei Erzähllinien miteinander: den biblischen Mythos über Adams erste Frau Lilith und die zeitgenössische Geschichte heranreifender junger Mädchen, die sich selbständig und nonkonformistisch im Leben behaupten wollen. Das Stück wird erzählt, nur selten ausgespielt. Die Sprache ist kurz und bündig, dennoch spannend und poetisch.

Das Stück entstand in einer bemerkenswerten Zusammenarbeit Paul Pouveurs mit fünf Jugendlichen. In Gesprächen und Improvisationen machten sie ihn vertraut mit ihren Emotionen und Gedanken über Erwachsenwerden.

 

Erhard Schmied                     Vier aus Papier, Stück mit Musik ab 4 Jahren, (4Darsteller)

Erhard Schmied, Saarbrücken (D)

Eine lustvolle Erzählung mit Musik für die ganz Kleinen, ein Ohren- und Augenschmaus.

Im Kindergarten zurückgebliebene Kinderzeichnungen erwachen nachts zum Leben und begegnen sich anfänglich ängstlich und mit Misstrauen. Aber die Neugier siegt und sie verbünden sich gegen alle Scheren, Kleber, Radiergummis und Putzfrauen.

 

Katharina Schlender Die Renatenente, Familienvorstellung, (3D/2H o.2D/3H)

Henschel SchauspielVerlag, Berlin (D)

Ein höchst witziges, absurdes Weihnachtsmärchen, dass aber durchaus auch zu Ostern gespielt werden kann. Es enthüllt die Farce des Familienglücks, das sich vor allem zu Weihnachten einzustellen hat. Die Weihnachtsente Renate stellt alles auf den Kopf, wodurch die Familie wieder auf die Füsse fällt und zueinander findet. Opfer des Ganzen, besser gesagt der Erwachsenen wird beinahe der Sohn der Familie, der sich jedoch couragiert zu behaupten weiss. Sprache und Stil, aber auch Inhalt sind weit entfernt vom Realismus.

 

 

 

Der Jury des 3. Deutsch-Niederländischen Autorenwettbewerbs gehören an:

 

Ralph Förg

Geschäftsführer des Filmhauses Frankfurt, Dozent für Kinder- und Jugendtheater an der Universität Frankfurt, Ausrichter des Festivals "Starke Stücke", bis 2000 Vorstandsmitglied der ASSITEJ

 

Uwe Frisch

Mehrfach ausgezeichneter Autor und Theatermacher, Mitbegründer des ReibeKuchenTheaters, seit 25 Jahren Schauspieler und Regisseur im Kinder- und Jugendtheater

 

Dennis Meijer

Leiter des Produktionshauses "De Berenkuil" in Utrecht, veranstaltet innerhalb des niederländisch _ flandrischen Theaterfestivals den Bereich Kinder- und Jugendtheater, bis 1998 theater instituut nederland, bis 1999 Dramaturg bei Het Palais, Antwerpen

 

Eva Pieper

Regisseurin und Dramaturgin, Übersetzerin eines großen Teils der zur Zeit in Deutschland gespielten niederländischen Kinder- und Jugendtheaterstücke, Regie am Werftparktheater Kiel und am Thalia Theater Halle, enge Zusammenarbeit mit Liesbeth Colthoff und dem Huis aan de Amstel, Amsterdam