"Der Winterzirkus" von Martin Baltscheit (D)

 Anna wird bald 10 Jahre alt, das letzte Jahr mit der „einsamen Zahl“. Dem Publikum erzählt sie die Geschichte einer wundersamen Weihnachtszeit. Und sie muss erzählen, weil sie  selbst den „Überblick verloren“ hat. Alles beginnt nach einem Zirkusbesuch mit Annas Tante Ruth. Sofort spürt man, es gibt ein Geheimnis. Und obwohl sie doch selbst ihren liebevollen Eltern das Weihnachtsfest zu entzaubern versucht und der Vater irgendwann gesteht, Weihnachtsmänner sind „verkleidete Studenten“, gerät sie dennoch immer tiefer in eine Welt der Phantasien und der Magie, die ihre Tante Ruth mit der Geschichte vom „Winterzirkus“ angestoßen hat. Auf diesem Weg zwischen der Welt in ihrer liebevollen Familie und der Zauberwelt der sprechenden Tiere im Winterzirkus entdeckt sie das „Rezept des Lebens“. Die Hündin Laika singt ihr in der magischen Manege: „Was du siehst hat seine Wirkung – und was wirkt ist Wirklichkeit!“ Am Schluss findet Anna sich wieder in den Armen ihrer Eltern, und sie lässt es sich sagen: Sie kann nicht mit ihrer Tante Ruth im Winterzirkus gewesen sein, denn diese ist schon einige Zeit tot. Den Arm um seine Tochter gelegt, sagt der Vater„Niemand kommt zurück, wenn er einmal gestorben ist. Aber wenn man jemanden sehr geliebt hat, dann ist er bei dir, wann immer du willst!“ „Und jetzt?“ „Jetzt ist Weihnachten, oder?“ 
Eine moderne Weihnachtsgeschichte und noch viel mehr! Martin Baltscheit gelingt eine wunderschöne Welt voller Zuneigung und Liebe mit grenzenlos sympatischen Figuren, die sich vertrauen und sich dem stellen können, was Leben bedeutet in aller Tiefe. Auch das kann Theater gebrauchen! Ein schweres Thema voll magischer Melancholie mit ansteckender Leichtigkeit gelöst. Eine Herausforderung für die Theatermacher, dramaturgisch gut konstruiert, jede Figur ist ernstgenommen und enthält ein gutes Angebot zur Identifikation. Der Zauber der Geschichte mit seinen Orten zwischen Realität und Traum und mit seiner magischen Tierwelt eröffnet viele Wege der Spielbarkeit, ermöglicht bühnenbildnerischen Spaß. 
Und die Sprache! Die Sprache ist hier alles, was sie sein kann, an der richtigen Stelle: alltäglich, poetisch,  schmunzelnd lyrisch, voller Bildkraft und gelegentlich philosophisch.
Und ein köstliches Spiel mit den Rollen, dem Kind- und Erwachsen-Sein, dem Vater, der Mutter, der Frau, dem Mann. Und es ist erfrischend zu erleben, dass es schön sein kann, all das zu sein. 

Die Jury glaubt, dass dieses einfühlsame Stück gespielt werden wird und muss.

Kontakt/Rechte: www.baltscheit.de