"Trüffelschweine" von Kristo Sagor (D)

Zwei Teenager, 15 und 18 Jahre alt, Rike und Saskia. In einem Wohnwagen. Saskia hält Rike in Fesseln gefangen. So die starke Ausgangssituation eines starken Theaterstückes, in der eine spannende, hochdramatische Begegnung ihren Anfang nimmt. Eine Begegnung in der sich die Schicksalsfäden zweier Mädchen, die aus unterschiedlichen sozialen Milieus stammen, miteinander verknüpfen. Um ihren Freund zu retten, der nach einer Fete mit zerstörerischem Abschluss verhaftet wurde, sucht Saskia nach einem Weg, die Anzeigesteller, Rikes Eltern nämlich, zur Rücknahme dieser Anzeige zu bewegen. Sie glaubt, mit der Geiselnahme Rikes deren Eltern berühren und bewegen zu können. Aber gefehlt.
Fernab jeglicher schlechter Cliches lediglich ausgedachter Charaktere oder sattsam bekannter Familienstrukturen entwirft Kristo Sagor mit seinem Stück „Trüffelschweine“ ein unerhörtes Szenario. In der gefährlichen Begegnung der beiden Teenager, deren Körper, Einsichten und Philosophien in der Enge eines Wohnwagens aufeinanderprallen vollzieht sich nicht nur auf Abwege geratenes individuelles Wollen zweier überspannter Teenager, es wirkt immer wieder und gleichermaßen das familiale Dasein, die beschädigten Privatheiten des Freundeskreise hinein. Das Unglück der Welt zu Hause in einem Wohnwagen. Deshalb dürfen wir „Trüffelschweine“ als hochbrisantes und politisches Stück sehen.
Doch die Welt besteht nicht nur aus Unglück. So lesen wir das Stück “Trüffelschweine“,  so sehen wir es deswegen gerne auf der Bühne, weil wir mit großem Vergnügen die Kraft der beiden Protagonistinnen, Rike und Sakia, bewundern. Ihre Energie, ihre Leidenschaft, mit der sie versuchen, ihre Probleme, ihr Schicksal zu meistern. Wir sehen darum gerne zu, wie die beiden Bühnenfiguren lieben und leiden, weil Kristo Sagor sie mit Liebe und Leidenschaft beseelt hat. Weil er ihnen durch seine Sprache in ihrer Sprache Witz, Humor, Bösartigkeit und: Verstand verliehen hat. Weil die beiden Mädchen, die ihre Lebensillusionen einer funktionierenden Familie oder einer intakten Partnerschaft, mit dem Fortgang des Stückes verlieren und aufgeben müssen, sich wieder und wieder aufrichten, sympathisch bleiben. Menschlich.

 Was Menschen einander antun, um zueinander kommen zu können, das schildert Kristo Sagor in seinem erzählerisch wie sprachlich herausragendem Drama „Trüffelschweine“.

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